Bericht

Das sind wir, Lars und Jenni, nach 7 Tagen beim Verlassen des Hardangervidda Nationalparks.

Wir


Wir haben uns gedacht, wir probieren mal aus, ob uns Trekking Spass macht. Lars wollte sowas schon immer mal machen und ich hab einfach mal ja gesagt, um rauszufinden, ob ich das schaffe.
Wir sind auf Norwegen gekommen, weil man da überall zelten darf. Naja, fast überall. Es war eine echt tolle Tour und hat viel Spass gemacht.
Insgesamt sind wir ca. 82 km gelaufen.

Und weil wir uns vorher schon gedacht haben, dass es toll wird und das da unglaublich viele Eindrücke auf uns zu kommen, habe ich sowas wie ein Reisetagebuch geführt.

Nun denn, viel Spass beim Lesen und falls Ihr Fragen habt, oder Anmerkungen, schreibt uns einfach.

02. September

Um 3.20 Uhr Morgens geht der Wecker und nach einem allgemeinem Frühstück - Waschen - Handgepäck packen kommt die Abfahrt nach Düsseldorf. Kurz vor der Autobahn drehen wir nochmal um, weil ich meine Wandersocken vergessen habe. Jetzt aber definitiv zum Flieger.

In Düsseldorf stellen wir fest, dass unser Flug annulliert wurde, weil das Flugzeug kaputt war. Also werden wir umgebucht und fliegen statt um 6.55 Uhr über Amsterdam nach Bergen nun um 7.45 Uhr über Kopenhagen nach Bergen. Dafür kommen wir schon um 11.35 Uhr in Bergen an.

Flughafen Kopenhagen


Um 12.20 Uhr nehmen wir den Airport Bus nach Bergen Zentrum. Wir wissen nur nicht, wo wir aussteigen müssen. Also beginnen wir Leute zu fragen. Am Busbahnhof erfahren wir, dass unser Bus nach Haukeliseter erst um 19.30 Uhr fährt und um 1.05 Uhr in Haukeliseter ankommt und wir müssen den Tag in Bergen verbummeln.Wir fangen an, nach Spiritus zu suchen. Zweieinhalb Stunden und alle Läden, die sowas haben könnten, später kriegen wir an einer Tanke endlich den Rød Sprit. Der Tankwart klärt uns auf, dass man für den Spiritusverkauf eine Extragenehmigung der Regierung braucht. Norwegische Jugendliche trinken das Zeug sonst mit Cola gemischt. Kein Wunder bei den Alkoholpreisen.

Nachdem wir den Spiritus haben können wir beruhigt etwas essen gehen. Das Anti Mücken Zeug hatten wir schon ganz am Anfang in einer Apotheke gekauft. Auf dem Markt in Bergen wollen wir Fish & Chips essen, aber dafür 70 Kronen oder 10 Euro zahlen? Der Chinese gegenüber hat Mittagstisch für 60 bis 65 Kronen. Ist mehr, schmeckt klasse und macht satt. Und weiter Zeit verbummeln.

Um 19.30 Uhr steigen wir in den Haukeliexpress und nach einmal Fähre und 2 - 3 mal umsteigen kommen wir im sturzdunkeln endlich in Haukeliseter an. Es ist kalt und windig und Haukeliseter ist nur eine Hütte für Wanderer und nicht wie erwartet eine kleine Stadt. Gott sei Dank haben wir den Spiritus in Bergen gekauft und nicht wie geplant in Haukeliseter.

Wir haben jemanden gefragt, der noch wach war, wo wir unser Zelt aufbauen können und uns dann mit Taschenlampe auf den Weg gemacht. Nach ca. 15 Minuten haben wir einen schönen Platz auf einer Wiese gefunden. Nur noch schnell im Lampenlicht das Zelt aufbauen und gegen 2 Uhr sind wir dann endlich im Bett.


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03. September

Nach einer stürmischen, aber warmen Nacht in unseren Schlafsäcken werfen wir erst mal einen Blick auf unseren Zeltplatz. Wir stehen in der Nähe des Ståvatn Sees umgeben von Bergen mit Schneefeldern.

Haukeliseter Blick links

Haukeliseter Blick rechts


Nach einem kurzen Frühstück und einem Tee fangen wir an zu packen. Während wir packen können wir Start und Landung eines Wasserflugzeugs beobachten.

Dann geht es los. Erst einen steilen Berg rauf, oben sind kleine Seen und Flüsse und noch mehr Berge. Der Weg ist gut markiert und einfach zu finden. Um 13:30 Uhr machen wir nach 3 Stunden Marsch Pause und essen was kurz vorm höchsten Gipfel des Tages.

Danach geht es weiter und runter an die Ufer des Mannevatn Sees. Jetzt geht es erst mal eine Weile über Geröll und Felsen und wieder bergauf. Mittlerweile muss ich ziemlich fertig aussehen, weil mich schon Fremde anquatschen, ob alles in Ordnung sei.

Nach insgesamt 6 Stunden reiner Marschzeit und 7 Leuten die wir getroffen haben bauen wir unser Zelt oberhalb der Ufer des Holmasjøen auf. Lars holt Wasser. Bin mal gespannt wie das schmeckt. Als Abendessen gibt es Indisches Curry Huhn. Schmeckt seltsam, aber irgendwie lecker und macht satt.



Wir sind nicht soweit gekommen, wie wir wollten, oder erwartet haben. Das Gepäck von ca. 30 kg und 25 kg bremst zusammen mit den Anstiegen doch enorm. Ausserdem hat uns ein starker Seiten- bzw. später Gegenwind etwas zu schaffen gemacht. Kalt ist es mittlerweile auch geworden, während es tagsüber bedeckt war und ab und zu genieselt hat, dafür kam aber auch mal die Sonne raus.

Nach einem kleinen Schlaf nach dem Spülen haben wir uns jetzt Tee gekocht, der uns ein wenig wärmen soll. Wir haben 20:40 Uhr und wir gehen gleich schlafen um unser Defizit von gestern ein wenig zu beseitigen.

Während wir uns noch im Schlafsack unterhalten beginnt draussen ein Tier zu grunzen, grummeln, knurren. Keine Ahnung was für ein Tier es war. Vielleicht ein Dachs? Aber danach zum Zähneputzen raus ist doch unheimlich.

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04. September

Die Nacht war ziemlich stürmisch, aber unser Zelt stand wie eine Eins. Um 7:30 Uhr geht der Wecker, weil wir doch etwas früher los wollen als 10:30 Uhr. Pustekuchen. Bis alles wieder eingepackt ist und wir gefrühstückt haben ist doch wieder halb elf.

Nachdem wir erfolgreich unser Milchpulver klumpenfrei aufgelöst haben (Hälfte Wasser, Pulver, Rest Wasser, gut schütteln), gibt es Müsli und Tee. Waschen im eiskalten Fluss macht wach.

Während wir zusammenpacken kommt eine junge Frau vorbei, die Hüttenwartin in Hellevassbu gewesen ist. (Ist eine ehrenamtliche Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung).

Dann machen wir uns auf und tappern los Richtung Hellevassbu. Die Landschaft ist herrlich, der Wind hat nachgelassen und es kommt die Sonne raus.

Bei unserer ersten geplanten Brückenüberquerung stellen wir fest, dass die Brücke kaputt ist. Also suchen wir eine geeignete Stelle für eine überquerung. Die ist auch bald gefunden, wenn auch nicht ganz einfach, man muss einen grösseren Sprung mit seinen kompletten Sachen machen. Hin ist einfacher als zurück und darum watet Lars barfuß durch den Fluß und holt meine Sachen.



Ohne Sachen ist der Sprung nicht mehr ganz so schwierig und ich hab danach nur eine kleine nasse Stelle an der Hose. Danach treffen wir 2 Mädels, die das gleiche Problem haben, nur in die andere Richtung.

Wir maschieren also weiter und stehen vor einem grossen Schneefeld, dass wir entweder überqueren, oder über loses Geröll umgehen können. Lars geht drüber, aber ich breche meinen Versuch ab und nehme das lose Geröll. Ist anstrengend, aber es geht.

Vor unserer nächsten Brücke machen wir auf einem Stein auf einer etwas höher gelegenen Ebene zwischen 2 Seen Rast. Dort kommt uns ein Wanderer entgegen, der nur mit leichtem Gepäck, also ohne Zelt, Essen, usw., von Litlos nach Haukeliseter geht. Respekt, das sind locker 12 Stunden Marsch.

Endlich erreichen wir nach 6 Stunden reiner Gehzeit Hellevassbu. Dort treffen wir auf einen alten Mann, der dort wohl eine kleine Hütte hat und sich gerade sein Kartoffelwasser im Bach nebenan geholt hat. Er ist der 6. den wir heute treffen und zeigt uns einen einfacheren Weg Richtung Litlos querfeldein und wir beginnen einen anstrengenden Anstieg. Irgendwann nimmt Lars mir Schlafsack und Schlafmatte ab, weil ich schon recht fertig bin.

Nach insgesamt 7 Stunden Marsch schlagen wir zwischen 19 Uhr und 19:30 Uhr unser Zelt an einer Flußbiegung auf. Lars wäscht sich erst mal die Haare und danach gibt es Rindfleischeintopf Gärtnerin. Meiner Meinung nach sehr lecker, Lars fand es nicht so lecker. Aber waren schon 2 gute Portionen. Danach noch etwas Schokolade und ab ins Bett. Da ist es wenigstens warm.


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05. September

Die Nacht war etwas kühler, wie wir morgens um 7 Uhr feststellten. Unser Zelt ist vereist und unser Reissverschluß geht kaum auf.



Nach Müsli und Tee waschen wir uns im Fluß und bummeln rum. Schließlich muss unser Zelt in der Sonne, die rausgekommen ist, trocknen.



Um 11:30 Uhr geht es los Richtung Litlos. Weiter rauf. Es ist angenehm warm und sonnig, so dass man im T-Shirt, bzw. dünnen Pulli und T-Shirt laufen kann. Der Anfang ist etwas mühsam, aber es wird immer besser. Und der Weg wird auch immer angenehmer.

Nach ca. 3 Stunden Marsch machen wir Pause. Hoch oben in den Bergen auf einem grossen Stein über einem See. Es gibt Salami, Knäcke und Nutella.

Dann geht es weiter. Unser ständiger Begleiter ist ein Wasserflugzeug, dass immer hin und herfliegt. Nach 6,5 Stunden Marsch und mehreren Schafen schlagen wir unser Zelt schräg gegenüber von Litlos über einer Flußbiegung auf.



Da begegnet man den ganzen Tag keiner Menschenseele, da trifft man kurz vorm Zeltaufbau einer Gruppe von 12 Leuten.

Ausserdem wissen wir jetzt, wie die ganzen Schafe eingesammelt werden. Es geht wirklich ein Hirte mit Hund rum. Unterstützt wird er von Reitern.

Als Abendessen gibt es Nudeln in Soja – Bolognese, später nach einer Schokolade geht es früh ins Bett.


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06. September

Um 7 Uhr geht der Wecker und draussen ist es diesig, trüb, nieselig und windig. Wir gucken beim Frühstück nochmal in aller Ruhe in die Karte.

Um 10 Uhr gehen wir los Richtung Hårteigen. Auf der Karte sieht der Weg nicht so schwierig aus.

Nach 3 Stunden machen wir an einem kleinen See Rast. Durch den Wind wird es allerdings sehr schnell sehr kalt. Wir sind bis jetzt fast nur aufgestiegen und hatten uns den Weg einfacher vorgestellt. Der Wind ist sehr stürmisch. Wir treffen unterwegs mehrere Leute, teilweise sogar ohne Gepäck, nur mit Regenjacke. Es ist im Prinzip eine sehr schöne Strecke, da man hoch in den Bergen über die Spitzen geht und überall kleine Seen sind. Nur halt sehr anstrengend zu laufen.

Nach 5 Stunden Marsch bauen wir unser Zelt am Fusse des Hårteigen auf



Es ist immer noch sehr windig. Wir würden eigentlich weiter gehen, aber meine linke Ferse tut erbärmlich weh. Mein Schuh drückt da ständig drauf und das verlangsamt mein Tempo enorm. Dafür geht es mit den Schultern und dem Rücken heute besser. Man gewöhnt sich an alles. Da wir schon gegen 17 Uhr, 17:30 Uhr unser Zelt aufbauen, haben wir mehr Zeit uns zu erholen. Gestern war es gegen 19 Uhr, 19:30 Uhr, das war zu spät. Man kommt nicht richtig zur Ruhe. Lars hat sich ne Blase gelaufen, aber an meiner Ferse sieht man nix.

Zu Abend gibt es Rindfleisch - Nudeltopf Försterin. Es sind 2 grosse Portionen und macht gut satt und ist vor allem warm. Wir haben uns zwar vor dem Essen Tee gekocht, aber der hat bei mir nicht so funktioniert. Das Essen schon. Lars ist am Fluss, der etwas weiter weg ist, und spült.

Als Nachtisch gibt es Trockenfleisch Sweet & Hot.

Heute haben wir 9 Leute getroffen, davon 2 dreimal. Wenn ich mich nicht täusche übernachten die hier ganz in der Nähe.


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07. September

über Nacht ist der Wind weniger geworden, dafür hat es angefangen zu regnen. Und das nicht wenig. Morgens um 7 Uhr regnet es immer noch. Meine Idee mir ein T-Shirt um die Füsse zu wickeln hat echt was gebracht. Ich hatte mal von Anfang an keine kalten Füsse im Schlafsack. Zu dem Regen hat sich auch ein dicker Nebel gesellt, der sich aber langsam verzieht.

Als wir um 10 Uhr losgehen regnet es immer noch. Zum Frühstück gibt es Amaranth Früchte Müsli. Komisches Zeug, aber lecker. Sieht ein bißchen aus wie Hirse oder Vogelfutter.

Wir kommen trotz Regen zügig voran.

Nach anderthalb Stunden erreichen wir Torehytten. Die Flußüberquerung direkt davor erweist sich schwieriger als erwartet. Der Fluß führt mehr Wasser als sonst und wir müssen viel klettern. Torehytten ist bis jetzt die schönste Hütte hier. Wir haben leider keine Fotos, weil es zuviel geregnet hat. Der Weg ist recht einfach, aber ziemlich schlammig und sumpfig. Da es fast ununterbrochen regnet und meine Jacke und Hose, sowie Lars Hose und Schuhe durch sind, beschliessen wir keine Rast zu machen und gehen insgesamt 4 Stunden durch. Wir machen trotzdem in einer kleinen Regenpause eine kurze Rast und gehen recht schnell weiter, weil es schnell kalt wird.

Nach 4 Stunden Marsch suchen wir uns einen Zeltplatz in der Nähe eines kleinen Flusses. Wir sind kurz vorm Veivatnet hoch über dessen Ufern. Wie erwartet hört es auf zu regnen, nachdem das Zelt steht und wir beginnen unsere Sachen zu trocknen. Innerhalb kürzester Zeit sieht unser Zelt aus wie ein Flohmarktstand. überall hängen und liegen Sachen.



Es regnet nur noch ab und zu und dann ganz wenig. Es kommt sogar die Sonne raus. Mein linker Schuh konnte den Wassermassen auch nicht mehr standhalten und hat aufgegeben. Bin mal gespannt, wie es morgen wird.

In meinem Rucksack ist fast alles nass. Bei Lars sind es hauptsächlich die Sachen, die aussen lagen. (Die Sachen im Rucksack extra in Kunststoffsäcke zu packen ist etwas, was wir daraus gelernt haben. Die Regenhüllen allein reichen nicht) Schlafsack und Schlafmatte sind bei uns beiden nass geworden, trocknen aber sehr schnell wieder. Während wir uns jeder 2 Schüsseln Champignoncremesuppe genehmigen, fängt es an etwas mehr zu regnen. Als wir alle Sachen wieder im Zelt haben hört es natürlich auf zu regnen und wir packen alles wieder aus.

Dabei kommt uns ein Helikopter besuchen. Er fliegt ziemlich tief und scheint die Hütten am See abzufliegen.

Zu Abend gibt es Chili con Carne und Tee. Das Chili war nicht ganz so mein Fall, aber scharf. Lars fand es nicht besser, aber auch nicht schlechter als die anderen Gerichte. Zwischenzeitlich hat es wieder heftiger geregnet, aber nach der Abendschokolade ist es ganz nett draussen, aber kalt.

Wir haben beschlossen, nicht mehr über den Regen zu reden. immer wenn wir sagen, es regnet weniger wird es mehr und wenn wir sagen es regnet nicht mehr, oder hat aufgehört, fängt es wieder an. Also wird der Regen jetzt ignoriert.

Lars leiht mir für heute Nacht seine lange Unterhose. Meine ist ziemlich nass geworden und ihm ist zu warm des nachts. Seine ist aber klamm und kalt, also lass ich sie weg. Muss auch ohne gehen.

Wir haben heute nur einen Wanderer getroffen. Kein Wunder bei dem Wetter.


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08. September

Heute früh regnet es nicht und sieht auch recht vielversprechend aus. Nach Tee und Amaranth lassen wir noch bis 10:30 Uhr Sachen, Schuhe und Zelt trocknen und weiter geht es nach Stavali.

Wir kommen recht gut voran und als wir planen eine Rast zu machen, so nach fast 3 Stunden Marsch, fängt es wieder an zu regnen. Also packen wir uns und die Rucksäcke wieder ein, essen ein paar Knäcke mit Nutella im Stehen und weiter gehts. Der Weg ist bis auf einige Stellen nicht sehr schwierig, aber diese Stellen haben es in sich.



Wir wollen bis nach Stavali und noch ein Stückchen weiter, weil alles was wir heute gehen, brauchen wir morgen nicht mehr nach Kinsarvik laufen.

Mittlerweile freuen wir uns auf Kinsarvik, weil wir da auf dem Zeltplatz bestimmt unsere Sachen trockenkriegen. Beim Abstieg nach Stavali bin ich auf einem nassen Stein ausgerutscht und hab mich erst mal auf den Rücken gelegt. Ich konnte den Sturz aber gut abfangen und so war das Schlimmste das Wiederhochkommen.

Nach 6 1/4 Stunden Dauermarsch haben wir unser Zelt hinter Stavali, aber noch in Sichtweite, aufgeschlagen. Morgen früh wird lustig, da wir dann wieder in die nassen Sachen steigen müssen, weil wir die nicht wie gestern trocknen konnten. Der Regen wird immer heftiger.

Grade gab es Paprika - Soja Ragout mit Nudeln. Ich bin gut davon satt geworden und Lars lutscht noch etwas hartes Nutella. Zwischen Essen und Nutella gab es die andere Sorte Trockenfleisch, also diesmal Peppered und nicht Hot & Sweet. Mir schmeckt Peppered besser und Lars findet beide klasse.

Ich nehm mir heute Nacht wieder Klamotten mit in den Schlafsack, zum einen um sie zu trocknen und zum anderen für die warmen Füsse.

Wir haben 2 Leute getroffen. Die beiden haben uns auf den Weg nach Stavali überholt. Da wir beide ziemlich platt sind, werden wir wohl wieder um 21 Uhr schlafen.


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09. September

Es hat über Nacht aufgehört zu regnen, aber es ist wieder mal ziemlich windig. Wir trocknen noch die nötigsten Sachen und brechen um 10:15 Uhr auf nach Kinsarvik.

Es kommt sogar die Sonne raus, nur der Wind bleibt stark. Wir müssen wieder mal aufsteigen und treffen dabei auf einen jungen Norweger, der auch nach Kinsarvik geht. Der Aufstieg ist beschwerlich, da wir viel durch Schlamm waten und über Steine klettern müssen. Aber danach geht es langsam bergab.

Wir rasten an einer Hüttenruine und nach einem letzten kleinen Aufstieg geht es runter nach Kinsarvik. Es geht viel über grosse, glatte Steine nach unten. Gott sei Dank regnet es nicht, dann werden die Steine rutschig. Der Abstieg wird begleitet vom ständigen Rauschen der Wasserfälle



Es ist wunderschön, aber anstrengend, weil der Wind immer heftiger wird. Irgendwann sehen wir Bäume. In der ganzen Vidda haben wir keinen einzigen Baum gesehen. War irgendwie seltsam.

Wir kommen in einem Tal an, dass aussieht, als käme es aus einem Märchen. Es ist einfach nur schön. Danach kommt ein schwieriger und anstrengender Abstieg durch einen Wald. Irgendwann muss ja die Strasse kommen. Zwischendurch kann man immer wieder wunderschöne Aussichten auf verschiedene Wasserfälle geniessen.

Nach 6,5 Stunden Marsch treffen wir in Kinsarvik, auf der Suche nach einem Campingplatz, den Norweger wieder, der uns gleich den Weg zu einem Zeltplatz zeigt.

Wir dachten wir marschieren mal eben nach Kinsarvik runter. Wir haben beide nicht damit gerechnet, dass es so lange dauert und zum anstrengendsten Teil der Tour wird.

Auf dem Zeltplatz kann man sich hinstellen wo man will und irgendwann kommt der Inhaber und kassiert. Der Zeltplatz liegt direkt am Wasser



Wir haben uns mal neben den Norweger, der übrigens Petter heisst, gestellt und während Lars das Zelt aufbaut, mache ich Indonesischen Reistopf mit Huhn und Krabben. Sozusagen zur Feier des Tages, weil wir es geschafft haben.

Jetzt sitzen wir draussen, geniessen den warmen Wind, essen Schokolade und Erdnüsse und unterhalten uns. Dabei werden wir von einer Fledermaus umkreist, die hin und wieder mal auftaucht.

Der Wind ist hier unten warm, wird aber immer heftiger und erreicht Sturmböenstärke.

So gegen 21:15 Uhr, 21:30 Uhr sind wir wieder im Bett. Petter hat uns erzählt, dass er in der Vidda immer gegen 21 Uhr im Bett war und so gegen 7 Uhr wieder aufsteht. Das war auch unser Rhythmus in der Vidda.


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10. September

Der Wind hat die ganze Nacht durch recht heftig gefegt. Es ist der heftigste Wind den wir bis jetzt hatten, aber unser Zelt steht bombig. Jetzt wo wir ausschlafen können, sind wir um 7:30 Uhr wach.

Nach dem Frühstück tappern wir erst mal los und erkundigen uns nach einer Busverbindung nach Bergen. Kinsarvik ist ein ziemlich kleines Städtchen, aber schön.



Um 21:20 Uhr werden wir die Fähre nach Utne nehmen und von da aus fahren mit dem Haukeliexpress weiter nach Bergen. Da sollten wir gegen 1 Uhr ankommen. Dann haben wir 4 Stunden Zeit zum Flughafen zu kommen. Das sollte eigentlich reichen.

Dann waren wir erst mal im Supermarkt und haben Schokolade (von Petter empfohlen), Tacos und Saucen und Wasser für die Fahrt gekauft. Dann gab es erst mal wieder Tee. Ich hab mal meinen Rucksack ausgepackt und angefangen meine ganzen nassen Sachen zu trocknen und Müll wegzuschmeissen. Nach weiterem Rumgebummel und einer Schokolade gehe ich duschen. Was für eine Wohltat. 10 Minuten heisses Wasser.

Danach gibt es gegen 12:30 Uhr Erbseneintopf. Die Erbsen sind hart, es sind Klumpen drin, aber es macht 2 Leute gut satt. Das Wasser hier schmeckt ohne Entkeimungstabletten echt ungewohnt. Man ist fast versucht eine Tablette reinzuschmeissen.

Nachdem Lars duschen war gehen wir nochmal in die Stadt und kaufen braunen Käse und Souvenirs. Der braune Käse soll eine norwegische Spezialität sein. Nach der Einkaufstour essen wir mal wieder was. Seit wir im Tal sind könnten wir ohne Ende essen. Also gibt es Tacos mit Sauce.

So gegen 18:30 Uhr gibt es Ungarntopf mit Rindfleisch und Nudeln. Das wäre dann unser letztes Instantessen gewesen.



Es wird dunkel und die Zeit der Fähre naht.



So gegen 20:45 Uhr gehen wir los Richtung Fähre. Irgendwie sind die Rucksäcke viel leichter als vorher. Ist ja auch kein Essen mehr drin. Auf dem Weg zur Fähre begegnen uns noch ein paar Fledermäuse und danach plagt uns wieder die Ungewissheit. Was, wenn die Frau von der Touristeninformation falsche Zeiten angegeben hat, oder einfach keine Ahnung hatte? Kommt die Fähre bald? Und und und..... Das übliche halt.

Aber die Fähre kommt und nach einer weiteren halben Stunde Unsicherheit steigen wir auch in den richtigen Bus nach Bergen. Schlafen können wir auf der Fahrt aber beide nicht wirklich.


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11. September

Gegen 1 Uhr nachts erreichen wir Bergen. Am Busbahnhof erfahren wir von einem Wachmann, dass der erste Bus zum Flughafen um kurz nach 5 Uhr fährt. Für uns ist das zu spät und wir nehmen uns ein Taxi. Wir haben ja keine andere Wahl. Die 15 minütige Taxifahrt hat dann fast soviel gekostet wie die 5 stündige Busfahrt für 2 Personen.

Um 1:40 erreichen wir den Flughafen und nachdem wir beide auf Toilette waren, bittet mich ein Wachmann, dass wir nicht viel im Flughafen rumlaufen und nicht raufgehen, wenn wir im Gebäude bleiben wollen. Wir begucken uns auf Lars Kamera seine Bilder und essen mal wieder eine Tafel Schokolade. Der Norweger hatte Recht. Die Schoko ist echt lecker. Bis wir mit den Bildern fertig sind ist es 2:40 Uhr und Lars versucht zu schlafen.

Jeder, dem wir erzählen, wo wir gestartet sind und wo wir angekommen sind, ist beeindruckt. Wir dachten wir machen hier was, was jeder Norweger macht, aber stimmt wohl nicht. Ist schon ein gutes Gefühl, wenn die Leute einen für eine Sache bestaunen die sich sich selbst nicht zutrauen.

Gegen 5 Uhr können wir einchecken, bleiben aber wegen der Taschenlampen im Handgepäck im Zoll stecken. Man könnte damit jemanden schlagen. Also geht Lars nochmal raus und gibt Lampen und Zelt als Gepäck auf. Die Frauen beim Zoll sind ziemlich genau und ziehen Kindern die Gürtel aus den Schlaufen und sowas alles. Es ist halt der 11. September.

Um kurz vor 6 können wir an Board gehen. Wir haben laut Boardkarte Raucherplätze auf einem Nichtraucherflug. Die Stewardess ist überrascht, aber auch amüsiert, und veranlasst erst mal eine Durchsage, dass während des gesamten Fluges Rauchverbot herrscht. Dann erklärt sie uns den Notausgang, neben dem ich sitze. Ist ganz praktisch, man kann die Beine austrecken. Dann krieg ich nur noch mit das der Flieger Gas gibt und abhebt. Lars weckt mich zum leckeren Schinkensandwich und Tee und danach schlafen wir weiter.

Um kurz vor 8 Uhr landen wir in Amsterdam. Der Flughafen ist riesig. Gegen 9:15 Uhr können wir endlich in den Bus, der uns zu unserem Flieger bringt. Dabei handelt es sich um einen Cityhopper Typ Fokker 50. Ist eine niedliche Zweipropellermaschine mit 14 Sitzreihen mit 4 Sitzen pro Reihe. Da macht das Fliegen noch Spass. Man merkt alles. Unser Flug ist überbucht und die Fluggesellschaft sucht Freiwillige, die für 150 Euro pro Person, einen späteren Flug nehmen. Wir haben drüber nachgedacht, sind aber zu platt. Wir wollen nur noch nach Hause. Im nachhinein kaum vorstellbar aber die 300 Euro waren uns in dem Moment fast egal.

Nach einem kleinem Kuchen landen wir auch schon pünktlich um 10:35 Uhr in Düsseldorf.



Nach Tee und einem Happen zu Essen fahren uns meine Eltern und meine Schwester nach Hause, wo wir gegen 13 Uhr eintreffen.


Fazit:

Es war windig, anstrengend, beeindruckend, wunderschön und wir werden es bestimmt nochmal machen. Nur die norwegischen Mücken haben wir Gott sei Dank nicht angetroffen.

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